Die Skandale
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
14.05.2000 – Baur SV Burgkunstadt
 
 
Der erst zweite Spieltag überhaupt in der damals noch jungen Geschichte unserer Mannschaft. Wir mussten auswärts antreten, bei Baur SV Burgkunstadt II. Soweit so gut. Die Einzel verliefen soweit eigentlich ganz normal. Bei dem einen oder anderen gab es zwar zwischenzeitlich schon leichte Irritationen, aber eigentlich war bislang noch nichts Außergewöhnliches passiert. Nach den ersten sechs Einzeln stand es zwischen Baur II und uns 3:3. Auch nicht weiter schlimm. Die Doppel standen ja noch aus. Zwei davon mussten wir gewinnen, um unseren ersten Sieg überhaupt zu erreichen. Alle drei Doppel begannen zum gleichen Zeitpunkt. Allerdings gingen zwei der drei Doppel relativ deutlich aus. Zu diesem Zeitpunkt stand es 4:4. Das dritte, bereits laufende Doppel musste also die Entscheidung bringen. Und die Entscheidung ließ auf sich warten. In eben diesem Doppel standen der Aumi und meine Wenigkeit für unsere Mannschaft auf dem Platz. Den ersten Satz konnten wir gewinnen und im zweiten Satz lagen wir mit 4:2 in Führung. Zu diesem Zeitpunkt waren die anderen beiden Doppel bereits beendet. Wir führten also 4:2 und hatten (glaube ich) Vorteil im siebten Spiel. Es war jedenfalls Spielball. Am Zaun um den Platz herum stand unsere versammelte Mannschaft, wenn sie nicht gerade duschen war und diverse Zugehörige des gastgebenden Vereins und auf dem Platz stand ein wichtiger Punkt an. Wie oft der Ball die Seiten gewechselt hat, weiß heute wahrscheinlich auch niemand mehr, entscheidend war allerdings, dass der Ball neben der Linie landete – und zwar auch neben der Doppellinie. Knapp zwar, aber daneben. Also habe ich mich auch erdreistet den Ball Aus zu geben, als es auch schon von außerhalb schalmeite „Der war drin!“. Ohne darauf zu achten wollten wir dann zum Seitenwechsel gehen, schließlich stand es jetzt ja 5:2, als auch schon das Unheil seinen Lauf nahm. Außerhalb ein riesiges Gezeter, von dem sich auch unsere Gegner auf dem Platz anstecken ließen, nachdem sie ohnehin noch nicht ganz überzeugt waren. Der Ball war wirklich knapp, aber eben Aus. Doch wir befanden uns zu diesem Zeitpunkt schon mittendrin. Üblicherweise entscheiden ja diejenigen, auf deren Seite der Ball eben ins Aus geht, also die Spieler auf dem Platz. Man diskutiert kurz, schaut sich den Abdruck an, und einigt sich im Zweifel irgendwie. Davon hatte man aber offenbar in Burgkunstadt noch nichts gehört. Von außen wurde weiterhin eifrig lamentiert. Natürlich gab es auch einen Abdruck. Sehr zu unserem Leidwesen allerdings nicht nur den einen, sondern auch diverse andere, links und rechts der Linie. Immerhin befanden wir uns mitten im zweiten Satz. Kein Wunder also, dass der fragliche Abdruck also nicht der einzige war, der dort zu sehen war. Schnell war, natürlich wieder von außen, ein Abdruck innerhalb des Feldes gefunden, der es dann gewesen sein sollte. Die Tatsache, dass sich dieser Abdruck einen knappen halben Meter weiter vorne befand, interessierte außer uns wohl niemand. Normalerweise hätten wir uns einfach setzen sollen und der Dinge harren, die dann passieren. Oder wir hätten den Platz verlassen können oder weiß der Geier sonst noch was machen können. Haben wir aber nicht. Stattdessen haben wir uns darauf eingelassen den Ball zu wiederholen. Natürlich haben wir den Punkt dann nicht gemacht. Einstand! Auch das Spiel haben wir verloren. 4:3 statt 5:2. Und natürlich haben wir auch den Satz verloren. 7:5 und im Anschluß daran das ganze Match. Was sich danach abspielte braucht hier vermutlich nicht gesondert erwähnt zu werden. Wir jedenfalls waren um unsere ersten beiden Punkte betrogen.
Einen Eintrag im Spielbericht haben wir uns nach langem Hin und Her verkniffen. Schließlich waren wir einerseits irgendwie auch selbst die Idioten, weil wir uns überhaupt darauf eingelassen haben. Zum anderen auch unseren Doppelgegnern zu Liebe, die sich, soweit ich mich erinnere, zwar nicht völlig raus gehalten haben, mit dem Spektakel als solches aber noch am Wenigsten zu tun hatten. Das Theater wurde außerhalb des Platzes veranstaltet.
Wie auch immer ... wir haben daraus gelernt und hatten unser erstes Skandalspiel.
 
 
 
 
 
 
 
02.06.2002 – TC Sonnefeld
 
 
Saisonauftakt im Jahr 2002 auswärts bei TC Sonnefeld II. So machten wir uns also an jenem Tag zu sechst, so viele Spieler benötigt man schließlich für eine komplette Mannschaft, auf den Weg nach Sonnefeld. Wir waren pünktlich und ein Teil der gegnerischen Mannschaft erwartete uns bereits. Bis hier nichts Außergewöhnliches. Gegen 9 h etwa ging es dann darum den Spielbericht auszufüllen. Auch kein Problem. Wir mit unseren sechs Leuten entsprechend der Meldeliste und auch Sonnefeld trug sechs Spieler ein, ebenfalls nach der Meldeliste, zu dem Zeitpunkt aber schon mit dem Hinweis, dass die Nr. 3 noch nicht da ist, aber sicher demnächst erscheinen würde. Soweit immer noch kein Problem. Eigentlich müssten um 9 h alle da sein, aber wer sind wir denn. Wir spielen in der Kreisklasse 2, der untersten aller möglichen Spielklassen, und es war Sonntagmorgen. Wochenende, unchristliche Uhrzeit und Kirchweih oder so was war wohl auch in Sonnefeld. Da darf man schon mal verschlafen. Außerdem fangen ohnehin die Spieler 2, 4 und 6 an. Selbst wenn nicht, das hätten wir auch hinbekommen. Der Spielbericht war also ausgefüllt und es ging los, wie immer und wie bereits gesagt mit 2 – 4 – 6. Meine Wenigkeit, Aumi und FaKe fingen demnach an. Das Spiel an Position 6 ging relativ zügig, mit dem schlechteren Ende für uns, so dass auf diesem Platz dann auch das Spiel zwischen den beiden 1ern beginnen konnte. Immer noch alles normal. Die Spiele auf den beiden anderen Plätzen gingen in etwa zeitgleich zu Ende. Das Spiel an 4 zugunsten der Gastgeber, das Spiel an 2 ging an uns. Bis hier auch noch keine Besonderheiten. Dann ging es allerdings los. Mittlerweile war es ungefähr 10.30 h, das Einzel Nr. 5 war gerade dabei sich einzuspielen, die Nr. 3 von Sonnefeld war immer noch nicht da und machte wohl auch keinerlei Anstalten noch zu erscheinen, wenn man das aus den Telefonaten, die geführt wurden, so ableiten darf. Wie auch immer, kulant genug, fanden wir jedenfalls, sind wir gewesen. Und wenn er jetzt sofort aufgetaucht wäre, sei´s drum, auch in Ordnung. Nachdem er aber nun zu seinem Spiel immer noch nicht da war und offenbar auch nicht vorhatte, dies noch nachzuholen, musste eine Entscheidung her. Sonnefeld hatte sich mittlerweile wohl auch von dem Gedanken verabschiedet, dass die Nr.3 noch kommen könnte und so schenkte man das Spiel. Nun ist es aber so, dass Sonnefeld ab diesem Zeitpunkt tatsächlich nur zu fünft war. Und wenn man nur zu fünft ist, dann muss man eben auch die Spiele 1 bis 5 besetzten und das sechste Einzel schenken und eben nicht ein beliebiges zwischendrin. Ob diese Nr. 3 an diesem Tag überhaupt als Spieler vorgesehen war oder einfach tatsächlich unpässlich war, wissen wir nicht. Da war jedenfalls niemand. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass es auch etwas anderes gewesen wäre, wenn er da gewesen wäre und hätte sich vor dem Spiel verletzt oder ähnliches. Aber Sonnefeld war ja nun nur zu fünft. Und das von Anfang an. Demnach hätten sie also auch anders aufstellen müssen. 1 und 2 war richtig. Aber Nr. 4 hätte an 3, Nr. 5 an 4 und Nr. 6 an 5 gesetzt werden müssen. Also ganz andere Paarungen und besser für uns. Spiel 6 wäre als walk-over an uns gegangen. Nun sollte aber plötzlich Spiel 3 das walk-over sein. Geht so aber nicht. Wäre weder gegenüber uns, noch gegenüber allen anderen Mannschaften in der Liga fair gewesen.
Wenn unser Gegner also schon nicht in der Lage ist sechs Leute zu einem Spiel auf dem Platz zu haben, dann sollten sie doch zumindest richtig aufstellen. Haben sie aber nicht. Und demnach ist es dann eben so, dass nicht nur das dritte Spiel an uns geht, das ja mangels Gegner gar nicht stattfinden konnte, sondern eben auch alle nachfolgenden Einzel, weil sie falsch aufgestellt waren. Die Einzel 3 bis 6 gingen damit also an uns. Dazu kam das gewonnene Einzel an Position 2 und schon lagen wir 5:0 in Führung. Spiel 1 lief noch, ging aber verloren. 5:1 nach den Einzeln. Spiel 5, noch beim Einspielen, wurde abgebrochen und fand auch nicht mehr statt. Unsere Gegner waren nun mit diesem Zwischenergebnis ganz und gar nicht einverstanden und so gingen die Diskussionen los. Bislang immer noch kein Skandal. Mit uns kann man ja reden. Was man uns allerdings zu sagen hatte, gefiel uns immer weniger. Man sei doch ohnehin viel besser. Man wolle aufsteigen und brauche die Punkte. Hier sei angemerkt, es war der allererste Spieltag. Man könne doch auch nichts dafür, dass man jetzt nur zu fünft sei. Ach neee? Wer denn dann??? Und so weiter. Krönung des ganzen Hin und Her war dann allerdings, als man uns Geld bot. Eine dreistellige Summe um genau zu sein. Damit war es dann geschehen. Unsere Gesprächsbereitschaft, die schon durch die zuvor gewählten Worte immer kleiner wurde, war verpufft. Wir bestanden auf 5:1. Grundsätzlich wären ja verschiedene Varianten denkbar gewesen, jetzt allerdings nicht mehr. Ein Wort das andere. Die Klappe konnten wir ja auch nicht halten. Das es dann nicht zu einer handfesten Schlägerei gekommen ist, ist dem Umstand zu verdanken, dass mittlerweile auch andere Vereinsmitglieder auf der Anlage waren, die unsere Argumentation durchaus nachvollziehen konnten und versuchten eine Eskalation zu verhindern. Mit Erfolg. Aber die Stimmung war gereizt. Irgendwie haben wir es dann tatsächlich noch geschafft die Doppel zu spielen, ohne das es dabei Mord und Totschlag gab. Die Doppel gingen, das sei der Vollständigkeit halber gesagt, allesamt in zwei Sätzen an Sonnefeld. Uns konnte das aber zu diesem Zeitpunkt relativ egal sein. Nach den Einzeln konnten wir nicht mehr verlieren. Wir waren nun der Ansicht, dass wir 5:4 gewonnen hätten, Sonnefeld glaubte 7:2 gewonnen zu haben und trug das auch so in den Spielbericht ein. Unnötig zu erwähnen, dass wir den Spielbericht nicht unterschrieben haben. Allerdings verweigerte man uns auch eine Stellungnahme in eben jenen Spielbericht zu schreiben. Das konnte uns dennoch nicht davon abhalten unseren Unmut über die Ereignisse sowie unsere Sichtweise dem btv mitzuteilen. Zu Hause angekommen wurde umgehend eine e-mail mit unserer Stellungnahme an den Spielleiter verfasst, die vermutlich noch vor dem Spielbericht aus Sonnefeld einging. Ergebnis des Ganzen war letztendlich, dass das Spiel mit 5:4 für uns gewertet wurde. Ob das ganze noch weitere Konsequenzen hatte, ist unbekannt. Wir jedenfalls waren um eine Erfahrung und ein weiteres Skandalspiel reicher.    
 
 
 
 
 
 
 
 Wir hoffen, dass es auch bei diesen beiden bleibt!
 
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